Fourier-Analyse: Jede Wechselgröße kann als Überlagerung von Sinusvorgängen dargestellt werden
→ Es genügt, sinusförmige Größen zu verstehen!
Definition:
Für sinusförmige Wechselgrößen
Definition:
Für sinusförmige Wechselgrößen:
Physikalischer Hintergrund: derjenige Wert einer Wechselgröße, der in seiner Wirkung bei Energieumformung einem Gleichstrom entspricht:
Allgemeine Definition (quadratischer Mittelwert, RMS):
Beispiele:
Der Effektivwert wird von Messgeräten angezeigt!
| Kennwert | Formel | Für Sinusfunktion |
|---|---|---|
| Arithmetischer Mittelwert | ||
| Gleichrichtwert | ||
| Effektivwert |
Notation ab jetzt: Kleinbuchstaben
Aufgabe 17
a) Ein Oszilloskop zeigt eine sinusförmige Spannung mit Spitzenwert
b) Eine Rechteckspannung springt periodisch zwischen
c) Warum gilt die Faustregel
Sinusförmige Wechselgrößen können als rotierende Zeiger in der komplexen Ebene dargestellt werden.
Zeigereigenschaften:
Anstatt mit trigonometrischen Funktionen zu rechnen, verwenden wir die Exponentialfunktion:
Reale Zeitfunktion:
Bei einer festen Frequenz rotieren alle Zeiger gleich schnell → der Faktor
Zwei verbreitete Konventionen für die Zeigerlänge:
In der Prüfung (und in der Energietechnik allgemein) sind Effektivwertzeiger üblich: „
Für Impedanzen ist es egal (Quotient!) — für die Leistung nicht:
Imaginäre Einheit (in der Elektrotechnik als
Komplexe Zahl:
mit Realteil
Wichtige Spezialfälle (auswendig!):
Komponentenform (kartesisch):
Polarform (Exponentialform):
Umrechnung:
Eigenschaften:
Addition/Subtraktion → Komponentenform:
Multiplikation → Polarform: Beträge multiplizieren, Phasen addieren:
Division → Polarform: Beträge dividieren, Phasen subtrahieren:
(in Komponentenform: mit konjugiertem Nenner erweitern)
Faustregel: addieren kartesisch, multiplizieren polar!
Aufgabe 18
Gegeben:
(Hinweis:
a) Zeichnen Sie beide Größen als Zeiger im Zeigerdiagramm.
b) Stellen Sie
c) Wandeln Sie beide in Polarform um.
d) Berechnen Sie
e) Vergleichen Sie die Ergebnisse: Was fällt auf?
Die drei Grundelemente im Wechselstromkreis sind:
Mit
Bei ohmschen Widerständen sind Strom und Spannung in Phase.
Momentanleistung (für
Mittlere Leistung:
Leistung wird ständig verbraucht → Wirkwiderstand
Ein Elektrofahrzeug wird mit Wechselstrom bei
Die Änderung der Ladung ist der Strom:
Einsetzen der Sinusverläufe (→ Tafel) liefert:
Am Kondensator eilt der Strom der Spannung um
→ Blindwiderstand: Energie pendelt zwischen Quelle und elektrischem Feld
Grundgleichung (Selbstinduktion, Kapitel 5!):
Einsetzen der Sinusverläufe liefert:
An der Induktivität eilt die Spannung dem Strom um
Merkspruch: „Bei Induktivitäten die Ströme sich verspäten; im Kondensator eilt der Strom vor."
→ Blindwiderstand: Energie pendelt zwischen Quelle und Magnetfeld
Impedanz (komplexer Widerstand):
Admittanz (komplexer Leitwert):
Ohm’sches Gesetz, Kirchhoff, Reihen-/Parallelschaltung, Teiler, Zweipoltheorie — alles gilt weiter, nur mit komplexen Größen!
Ohmscher Widerstand:
Kapazität (Strom eilt vor):
Induktivität (Spannung eilt vor):
| R | C | L | |
|---|---|---|---|
Komplexe Maschenregel:
Impedanz:
Betrag und Phase:
Komplexe Knotenregel:
Admittanz (parallel → Admittanzen addieren!):
Betrag und Phase:
Serie:
Parallel:
Vorzeichen von
| Schaltung | ||||
|---|---|---|---|---|
| R-L Serie | ||||
| R-L Parallel | ||||
| R-C Serie | ||||
| R-C Parallel |
Aufgabe 19 (Klausur-Grundmuster — mit Zeigerdiagramm!)
Eine Reihenschaltung aus
a) Berechnen Sie
b) Berechnen Sie den Strom
c) Zeichnen Sie das Zeigerdiagramm mit
d) Geben Sie für den Strom an: Effektivwert
Am Widerstand R:
An C und L:
In der Praxis: Kombinationen aus R, L, C mit beliebiger Phasenverschiebung
Frage: Wie berechnet man die Leistung bei beliebigem
Mit trigonometrischer Umformung und Effektivwerten
Wirkleistung (Mittelwert, tatsächlich umgesetzt):
Blindleistung (pendelnder Energiefluss):
Scheinleistung (Netzbelastung, Dimensionierung!):
Vorzeichen von
Blindleistung trägt nicht zur nutzbaren Leistung bei, belastet aber das Netz:
Beispiel Transformator mit
bei
Konsequenz: Industriekunden zahlen Strafgebühren bei
Naiver Ansatz:
Wir brauchen die Differenz
Lösung: konjugiert komplexer Strom
Alternative Darstellungen:
Beispiel RL-Reihenschaltung:
Das Leistungsdreieck visualisiert den Zusammenhang:
Beispiel Industriebetrieb:
| Verbraucher | cos φ | Bemerkung |
|---|---|---|
| Glühbirne, Heizung | ≈ 1,0 | rein ohmsch |
| Motor ohne Last | ≈ 0,3 | viel Magnetisierung |
| Motor Volllast | ≈ 0,85 | besser, aber nicht ideal |
| Transformator | ≈ 0,8–0,9 | Streuinduktivität |
| Modernes Netzteil (PFC) | > 0,95 | mit Kompensation |
Energieversorger fordern
Problem bei induktiven Verbrauchern (Motoren, Trafos):
Lösung: Kondensatoren parallel schalten —
(
Warum parallel? Damit die Spannung am Verbraucher — und damit seine Wirkleistung — unverändert bleibt!
Betrieb:
Vorher:
Kompensation auf
Nachher:
Aufgabe 20 (= Palme B5, Aufgabe 2 — kompletter Klausur-Durchlauf)
Eine Leuchtstoffröhre mit Vorschaltdrossel (= Reihenschaltung aus
a) Wie hoch ist die Scheinleistung
b) Wie groß sind
c) Ein Kondensator soll die gesamte Blindleistung kompensieren. Wie muss er geschaltet werden (Begründung)?
d) Berechnen Sie
e) Veranschaulichen Sie die Kompensation im Zeigerdiagramm.
Reihenschaltung aus R, L und C:
Bei der Resonanzfrequenz heben sich
Bei
Klausur-Formulierung: „Bei welcher Frequenz nimmt die Schaltung nur Wirkleistung auf? Wie nennt man diesen Arbeitspunkt?" → Resonanz!
L und C parallel (ggf. mit R):
Bei
Serienresonanz:
Wie „verhält sich" ein Zweipol bei gegebener Frequenz?
Beispiel Serienschwingkreis:
Klausur-Frage: „Welche Impedanzcharakteristik weist der Zweipol auf (Begründung)?" → Vorzeichen von
Mächtige Kontrolltechnik (und Klausur-Standardfrage!): ersetze die Blindelemente durch ihre Grenzfälle —
| Kondensator ( |
Unterbrechung ( |
Kurzschluss ( |
| Spule ( |
Kurzschluss ( |
Unterbrechung ( |
Vorgehen: Schaltung zweimal neu zeichnen (einmal pro Grenzfall), Blindelemente ersetzen, Verhalten ablesen.
So erklärt man die Filterwirkung einer Schaltung: Was passiert mit dem Ausgangssignal bei tiefen/hohen Frequenzen? (Tiefpass, Hochpass, ...)
Aufgabe 21
Ein Serienschwingkreis besteht aus
a) Bei welcher Kreisfrequenz
b) Wie groß ist
c) Welche Impedanzcharakteristik hat die Schaltung bei
d) Geben Sie
a) Berechnen Sie
b) Berechnen Sie
c) Berechnen Sie
d) Zeichnen Sie
e) Geben Sie
f) Bei
Nächstes Kapitel: Drehstrom — warum aus der Steckdose eigentlich drei Phasen kommen
Mit Ihrem jetzigen Wissen über Wechselstrom und Gleichstrom, Wirkleistung und Blindleistung, diskutieren Sie in Ihrer Gruppe die Vor- und Nachteile der beiden Stromsysteme:
Hinweise: Leitungsverluste (inkl. Blindleistung), Sicherheit, Wirtschaftlichkeit
Zusatzfrage: Würde die Entscheidung heute anders ausfallen?